Zanzibar

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28 Seiten Tagebuch habe ich während meiner sieben Tage auf Unguja gefüllt. Vielleicht klappt es mit dem Auszug und einigen Bildern etwas von dem nicht unbesonderen Zanzibar-Flair rüberzubringen.

Zu Beginn muss die Begrifflichkeit Zanzibar geklärt werden. Genau genommen bin ich auf die Insel Unguja gereist – allgemein und weit bekannt als Zanzibar. Es ist nicht verkehrt, wenn man Zanzibar sagt. Jedoch meint es nicht nur die Insel Unguja, sondern das nicht ganz so berühmte Eiland Pemba sowie einige dutzend weiterer Inselchen. Zanzibar ist eine Verwaltungseinheit und nicht der Name einer speziellen Insel. Um Menschen, die diesen ersten Absatz versehentlich überlesen haben im weiteren Verlauf nicht zu verwirren, bleibe ich bei dem ungenauen, aber keinesfalls falschen Wort Zanzibar.


Geschehnisse rund um die Fähre

Nach einer anstrengenden Busfahrt komme ich müde am Fährhafen an. Dies erweist sich als für mich unvorteilhaft, da beim Ticketkauf ungebrochene Aufmerksamkeit erforderlich ist. Diese kann ich nicht aufbringen und zahle so für meine Fahrkarte 20.000 Tsh (rund 12 EUR), anstatt der 15.000, wie sie auf dem Ticket vermerkt sind. Ich begehre kurz, leise auf und man erklärt mir: „Polizeigebühren“. Ahsoluter Schwachsinn, aber ich bin aus dem Office raus, als ich mir bewusst werde: da hat man mich verarscht. Anders kann man es nicht bezeichnen.

Das die Abfahrtzeit von 12.00 Uhr auf über eine halbe Stunde später verrutscht, liegt womöglich daran, dass das Transportmittel ein Tanzianisches ist und von daher Pünktlichkeit nicht die allergrößte Rolle spielt.
Veralbert hat man mich jedoch, was die Fahrzeit angeht. Zwei Stunden – Fast Ferry – so wurde mir erzählt. Geschafft, wie ich war, sagte ich nur „jaja“. Kein Drama, dass es selbst laut Fahrplan eine Stunde mehr ist. Aber im Zusammenspiel mit der letzten bemerkenswerten materiellen Fährgeschehnis ist der Start in den Urlaub ein wenig zu aufregend.

Ich beziehe meinen Platz in der Economy Class und bin glücklich, dass es jetzt losgeht und alles geschafft ist. Erkunde das Boot und das Oberdeck und unterhalte mich mit einem Zanzibarischen Guide, der mir umgehend eine Tour verkaufen möchte. Ein Herr taucht auf, trägt eine ID am Hemd und erklärt mir, dass er mich umsetzen möchte. Von der E- in die VIP-Class. Das ist ja super, denke ich mir. Auf geht’s.
Als ich meinen neuen Platz bezogen habe, gehe ich mit dem Herren wieder an Deck und dort meint er plötzlich, dass ich ihm ja eine Aufmerksamkeit zukommen lassen sollte. Ich bin wahnsinnig sauer, weil man wieder irgendwas mit mir macht, um im Anschluss dafür Geld zu verlangen. Ich gebe sie ihm am Ende, fühle mich aber gepflegt übers Ohr gehauen.

Ich hasse dieses Verhalten unglaublich, aber ich hatte schlicht keine Lust mehr und wollte nur meine Ruhe haben. Für den Preis hätte ich auf jeden Fall wirkliche Fast Ferry – 1st Class fahren können.

Der Hafen von Dar es Salaam und der Indik von der „Seagull“ aus.

Stone Town macht Spaß

Eine Touristenbroschüre könnte Stone Town vermutlich als „Das ruhig schlagende Herz Zanzibares“ anpreisen. Dabei ist Stone Town nur der Altstadtteil von Zanzibar Town, direkt an der Wasserfront. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Neustadtpart nur einmal zufällig intensiver angeschaut habe, als ich mich während meiner Vespa-Tour verfahren hatte.
Spannend ist die Neustadt sicherlich, die Architektur soll in Richtung DDR-Neubau-Gebiet gehen. Beim nächsten Mal werde ich das nachholen. Von der Architektur und dem Stadtbau in der Altstadt war ich so begeistert, dass ich dort zwei einhalb Tage allein mit rumlaufen beschäftigt war.

Noch am Abend meiner Ankunft bin ich durch die Gassen gelaufen . Und habe mich verlaufen. Das ist nicht schwierig und die Stadt hat meinen Orientiertungssinn bis zum Ende vor gewaltige Herausforderungen gestellt. Aber seine Orientierung zu verlieren ist nicht schwerwiegend. Selbst Buch-Reiseführer, die keinesfalls zu laschen Sicherheitsempfehlungen neigen, sagen, dass man vergleichsweise gefahrlos sogar in der Nacht in Stone Town rumlaufen kann. Wenn man sich verlaufen hat, geht man ein wenig in eine Richtung und kommt so immer zu irgendeiner Stelle, die man kennt und von welcher man nach Haus findet.
Das aufregende ist, dass man ständig, und wenn man eine Strasse schon so oft entlang gegangen ist, neue Geschäfte, Swahelitüren, kleine Cafès und ähnliches findet. Darum macht es so viel Spaß, einfach nur zu schlendern und zu gucken.

Die meisten Gassen sind zu schmal für Autoverkehr. Der Transport wird zum Großteil mit Hand-, gelegentlich mit Eselwagen erledigt. Dazu kommen Fahrräder und Motoroller, die durch die engen Strassen düsen.

Matemwe – ein Küstendorf

Zwei Tage sind zur Sommer-Sonne-Strand-Entspannung eingeplant und dafür fahre ich nach Matemwe. Ein Dorf mit 700 Einwohnern und einigen Hotels drumherum mit günstigen Preisen von über 750 $US pro Übernachtung. Wobei Sommer, Sonne und Strandgänge eher Mangelware sind. Ob es an der Regenzeit liegt?
Ich genieße: keinen Stress, keinen Lärm, Meeresrauschen, Schwimmen gehen und viel Lesen.

Die Ausflüge in das Dorf selbst sind eher anstrengend. Touristen kommen scheinbar öfter vorbei und die Kids sind trainiert. Kaum kam ich auf den Dorfplatz, wurde ich von 20 Kindern umringt, die alle meinten: „picha kwa hella“ – Bilder für Geld. Ich hatte weder Kamera, noch Geld noch Lust darauf einzugehen.

Ein kleines Stück weiter werde ich von einer Gruppe Frauen herangewunken. Eine sitzt dort mit ihrem Baby, nicht mal ein halbes Jahr alt, und meint, ich sollte es mal halten. Will ich eigentlich nicht und komme mir albern vor. Trotzdem, ich halte es, bis es anfängt komisch zu quäken und ich es zurückreiche. Währenddessen meint eine Frau in dieRunde, die inzwischen auf über 30 Leute angewachsen ist, dass ich für das Halten vom Kind bezahlen sollte. Also Geld. Sie sagt es auf Kiswahli, welches ich auch so weit wie möglich dort rede. Vielleicht werde ich deshalb letztlich doch nicht direkt zum Geld bezahlen aufgefordert.

Aber es ist das beherrschende Thema von 90 Prozent aller Gespräche, die ich im gesamten Urlaub führe. Fast immer kommt das Thema „Kannst du mir nicht da helfen“ oder „du willst doch das hier kaufen“ hoch und ich finde es irgendwann nicht mehr lustig. So schreibe ich am Ende des ersten Tages dort: „Ich bin recht genervt von dem Dorf und seinen komischen Einwohnern. Man fühlt sich wie ein Selbstbedinungs-ATM (Geldautomat), wo man seine Wünsche nur dreist genug äußern muss.“
Allerdings muss ich dem Dorf unbedingt zu Gute halten, dass ich dort sehr leckeres frisches selbstgebackenes Brot kaufen konnte, die Kinder, als ich ihnen versicherte, dass ich kein Geld mithabe, doch nett waren und meine Unterkunft (siehe betreffendes Kapitel) klasse war.

Zum Anfang hatte ich das Prinzip von Ebbe und Flut an der dortigen Küste noch nicht ganz durchschaut. So bin ich am ersten Tag bei Ebbe baden gegangen und das war ein Fehler. Es war elendig flach, nie tiefer als bis zum Bauchnabel und felsig. Alles noch nicht so schlimm, wären da nicht die Seeigel, die man in Form vieler vieler schwarzer Klumpen unter Wasser sieht und die sich einem in den Fuß oder allgemein überall hin bohren wollen. Zwar bin ich – welche Voraussicht – mit meinen Latschen unterwegs, aber das macht das Laufen beschwerlich und irgendwann gebe ich mich geschlagen. Bei Flut: wunderbar. Obwohl ich das Ozeanwasser nicht so gut leiden kann – viel zu salzig für mich als Ostseekind.

Ach, von Kocha muss ich noch erzählen. Er wollte mich zu einer Schnorcheltour überreden, worauf ich aber keine Lust hatte. Er hat mir dennoch seine Karte gegeben mit einem sehr begeisterndem Englisch.

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Ich habe ihm vor meiner Abfahrt eine korrigierte Version auf die Rückseite geschrieben und in seiner Hütte hinterlassen.

Mit der Vespa durch das Land

Am Ostermontag habe ich mich in ein kleines Abenteuer gestürzt. Ich habe mir für einen halben Tag eine Vespa ausgeliehen und die Insel erkundet.
„Eigentlicher Plan ist, die Maruhubi- und Mtoniruinen zu besichtigen, aber ich verpasse irgendwie beide Abfahrten und lande in Bububu. Zurückfahren will ich nicht und stattdessen mache ich einen planlosen Trip über die Dörfer im Inselinneren. Die Wahl ist sehr gut. Viele viele Kinder winken, Erwachsene grüßen. Weiße sind in diesem Teil der Insel vermutlich eher selten anzutreffen, wobei die Gegend beeindruckend schön.“
Ein kleines Problem habe ich, als bei einer Rast meine Vespa umfällt, die Zündkerze dreckig wird und nicht mehr startet. Aber das Problem ist nur ein kleines, da drei Anwohner auf Fahrrädern vorbei kommen, das Problem fachmännisch beheben und ich weiterfahren kann.
Fast überall ist der Verkehr minimal und das Fahren über die überraschend guten Strassen macht schlicht Freude. Selbst der Linksverkehr macht mir keine Probleme. Abgesehen von zwei Kreuzungen, wo ich mich falsch einordne und beide Male von entgegegnkommenden hupenden Daladalas an die richtige Seite erinnert werde.
Den Punkt, der das ganze noch mal doppelt aufregend gemacht hat, will ich hier nicht ausbreiten. Es ist spannend mit einem Führerschein in Dar es Salaam (ich hatte ihn vergessen) auf Zanzibar Vespa zu fahren und durch Polizeikontrollen zu kommen.
Fotos gibt es keine, außer zwei Selbstportraits, die ich während der Pause mit der umgefallenden Vespa gemacht habe.

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Meine Unterkünfte

Das erste Zimmer war eine Notlösung. Zu teuer und mit langer Mängelliste: Fehlend: Wasser aus der Dusche, Brille auf dem Klo, Papier für selbiges, Papierkorb und Tisch. Insgesamt ist es runtergekommen, hat ein Fenster – auf den Flur und ein bereits einmal aufgebrochenes und notdürftigst repariertes Schloss an der Tür. Trotz netter Leute und gutem Frühstück nur bedingt empfehlenswert.
Darum ziehe ich gleich am nächsten (Oster-)morgen in das Flamingo Guest House um. Man sieht die gute Laune, oder :)

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Dort habe ich ein Einzelzimmer und bin sehr zufrieden. Das Haus hat eine Dachterrasse mit wunderbarem Blick über Stone Town und ein etwas launisches Personal. Aber es ist TipTop und für meine Backpacker-Ansprüche genau richtig. Zwei Tage lebe ich dort glücklich und zufrieden.

In Matemwe miete ich mich bei Mohammeds Bungalows in einen Bungalow ein. Ausgelegt für vier Leute mit zwei Doppelbetten bewohne ich die nette Hütte, etwa 30 Sekunden vom Meer weg, für zwei Nächte allein. Zum Frühstück werden die besten Pancakes (Eierkuchen) serviert, die ich seit sieben Monaten gegessen habe. Nebenher waren die Angestellten dort sehr angenehme Menschen – ja, die angenehmsten, die ich in Matemwe getroffen habe.
So sah es aus:

Für die letzte Nacht auf Zanzibar – wieder zurück in Stone Town – habe ich mir richtig was gegönnt und für immerhin 25.000 Tsh (rund 15 EUR) eine Suite im Narrow Street Hotel bezogen. Ich bekam ein riesiges Zimmer, mit kleinem TV, Telefon, (kaputter) Air Condition, einem riesigen Bett und Vorhängen, mit welchen ich es richtig in Wohn- und Schlafzimmer unterteilen konnte. Ein weiteres Zimmer, mit Schrank und Spiegel – zum Ankleiden. Das Bad war nicht sonderlich nobel, aber hatte einen Wassererhitzer und ich duschte – es klingt unglaublich – warm. Leider fehlte eine Dachterrasse, wie im Flamingo. Stattdessen nur ein Balkon.
Vorhang auf für meine letzte Zanzibarunterkunft.

Eine weitere Nacht brauchte es noch, bis ich wieder mein heimatliches Zimmer beziehen konnte. Diese weitere Nacht habe ich auf der „Flying Horse“ nach Dar es Salaam verbracht. Der Preis ist günstig. Dafür ist man auch die ganze Nacht unterwegs – bzw. zumindest auf dem Wasser. Die Fähre legte mit einer Stunde Verspätung ab und ging dann für drei weitere Stunden vor Zanzibar vor Anker. Da der Zoll in Dar es Salaam erst um 6.00 Uhr anfängt zu arbeiten, muss die Fähre irgendwo warten.
Ich wurde, diesmal ohne Aufpreis, ohne Nachfrage in der VIP-Lounge einquartiert, trotz Economy-Ticket. Ich fühlte mich etwas merkwürdig dabei, aber im Nachhinein bin ich dankbar – so hatte ich sogar eine Matratze, die überall auf dem Boden ausgelegt werden, für mich. In der Economy und auch draußen lagen die Leute annährend übereinander. Überall lagen schlafende Afrikaner zwischen Kisten, Taschen und Säcken. Es war schwer, durch die Gänge laufen, ohne auf welche zu treten.
Der Schwierigkeitsgrad wurde weiter gesteigert, als mit zunehmender Länge der Fahrt auch das Schaukeln zunahm. Ich würde behaupten, dass es noch bei keiner Seefahrt in meinem Leben mehr geschaukelt hat. So etwas stört mich eigentlich nicht, aber schlafen konnte ich dennoch nicht. Daher bin ich gegen 2.00 Uhr, als das Boot bereits eine Stunde unterwegs war, nach draußen, an das Heck des Bootes gegangen und habe mir das Meer und vereinzelte seekranke Menschen angeschaut. Um 5.00 Uhr morgens als wir vor Dar es Salaam unter Land kamen und die Wellen klein und langweilig wurden, bin ich wieder rein und schlafen gegangen. Eine Stunde später weckte mich der Mann neben mir mit dem Hinweis, dass schon fast alle ausgestiegen sind.

Und Ostern?

Ich habe Ostern verpasst. Einen Tag nach meiner Ankunft war ich mit den örtlichen Gegebenheiten noch gar nicht weit genug vertraut. Außerdem musste ich als erste Aktion des Tages mein Quartier wechseln. Ich schaute mir die Gottesdienstzeiten der beiden Kirchen an und wollte am Nachmittag hingehen, da alle anderen bereits vorbei waren. Aufgrund des Feiertages waren jedoch die GoDis am Vormittag die einzigen. Die am Nachmittag entfiehlen.
Immerhin – ich habe mir ein Osterabendessen genehmigt: Zanzibar-Pizza (spricht man in Kiswaheli natürlich pisa aus). Hat geschmacklich nicht so viel von echter Pizza, sondern eher etwas von Döner. Das war absolut nicht schlimm und ich hatte ein leckeres Ostermahl – auf der Dachterrasse mit Ausblick verzehrt.

Schluss für heut

Aufgrund der schönen, aber fast schlaflosen Rückfahrt war der Erholungseffekt des Urlaubs recht zügig aufgebraucht. Im Moment bin ich gerade auf dem Weg zurück in den Alltagstrott, der sich bald wieder vollständig einstellen wird.
Allerdings ist die nächste Reise schon am Wochenende – nach Bagamoyo für eins bis zwei Tage um den 20 Geburtstag (nach) zu feiern.
Zum Ende noch eine kleine letzte Bildershow :)

Einen Kommentar auf “Zanzibar”

  1. Steve Grundig kommentiert.

    Hi JoJo!

    Danke für die Impressionen deines Versuchs, dich zu Erholen, auch wenns hier und da an Kleinigkeiten gescheitert ist!
    Auch auf diesem Weg sage ich dir gerne nochmal: “Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag” und nun mit dem Zusatz: “Feier schön und ausgiebig!”
    Bis bald, ich freu mich nun schon wieder, wenn ich wieder von dir lesen darf! Immer wieder ein Erlebnis!

    Viele Grüße, Steve

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