Urlaubsabriss

Jahr weg, Von hier berichtet Kommentar abgeben

Wie soll man ein derart aergerliches Thema spannend und doch nicht zu dramatisch einleiten?
Ich bin fuer: kurz und schmerzlos. Ich wurde ausgeraubt.
Um ein potentielles “Ohhhh Nein!!! Lebst du noch?” nicht zu der brennensten Frage werden zu lassen. Ja! Ich bin okey.
Fangen wir aber, wie es sich gehoert, am Anfang an.

Reisen und Kennenlernen
Am 10. Juni brach ich mit dem Bus von Scandinavia Express Service Ltd. in meinen Urlaub auf; nach Dodoma, die Landeshauptstadt Tanzanias. Waehrend der Reise lernte ich  einen netten Herren names Mohamed kennen. Gemeinsames Reisen ist einfach einfacher und netter und darum haben wir eben dies getan.

Die Unterkuenfte in Dodama waren gut gefuellt, da momentan die Bunge, das Tanzianische Parlament tagt. Nach einiger Suche offenbarten sich dann aber freie Zimmer im DM Hotel. Die beiden Abende dort haben Mohamed und ich gemeinsam verbracht.

Die Stadt selbst hat mich wenig begeistert. Viel zu staubig, unangenehmes wechselhaftes Klima und, wie ein Travelguide es treffend beschreibt, “die Hauptstadtrolle ist Dodoma einige Nummern zu gross.”
Was mich mit der Stadt etwas versoehnt, ist die Bekanntschaft mit einem Postgraduate der University of Cambridge, dank welchem ich eine relle Chance habe, mal Cambridge unter intellektuellster Fuehrung zu besichtigen.

Trotzdem freue ich mich, als ich zwei Tage spaeter wieder in den Bus steige (diesmal Robin Top Line Express), der mich nach Mwanza bringen soll. Die Fahrt ist super. Zwar brauchen die 685 Kilometer ihre zehn Stunden, aber die Landschaft ist herrlich, abwechslungsreich und ich schiesse diverse sicherlich schoene Fotos. Die Strasse selbst ist gut befahrbar – vergleichbar mit einer guten deutschen Bundesstrasse, abgesehen von zwei Stunden, die wir auf einen Dirtroad durch staubiges Buschland holpern.

Nachts um 11 Uhr kommen wir in Mwanza an. Besagter Mohamed und ich ziehen fuer eine Nacht in ein ganz schoen abgewracktes guesthouse, aber ich will nur noch schlafen und da kommt es nicht auf ekelhafte Flurtoiletten an.

Am naechsten Morgen ziehe ich in das Intercity Hotel um, wo ich bis jetzt wohne. Mohamed will irgendetwas fuer sein Fisch-Business regeln und ist den Tag ueber unterwegs.

Showdown
Abends treffen wir uns, wollen noch etwas Bier zusammen trinken, weil er morgen wieder aufs Ukerewe Island fahren will. Nach dem Beginn des dritten Bieres erinnere ich mich an nichts mehr. Vermutlich hat er mir einen Zusatz in selbiges getan. Gegen Mitternacht sind wir in das Hotel zurueckgekommen, wie mir der Rezeptionist spaeter erzaehlt und ich sah wohl nicht sonderlich gut aus. Wir sind in mein Zimmer gegangen und irgendwann ist Mohamend wieder gegangen, um “Wasser zu holen.” Er ist nicht zurueckgekommen und ich am naechsten Morgen mit gewaltiger Uebelkeit, die nicht von einem normalen Kater herruehrt aufgewacht. Noch mit allen meinen Klamotten quer auf meinem Bett und mit genau 400 TZS (um die 25 Cent) in meiner Tasche. Der Morgen ist furchtbar und auch da habe ich noch Gedaechtnisluecken. An das Gespraech beim Manager erinnere ich mich nicht mehr.

Mohamed hat ordentlich eingesackt.

  • Meine wunderbare Canon PowerShot 540 mit ungefaehr der Haelfte aller meiner Fotos auf der Speicherkarte,
  • mein Siemens A70, extra guenstiges Modell (inklusive Ladekabel),
  • der 1GB-MP3 Player von Marie,
  • rund 150.000 TZS (rund 85 EUR) in bar,
  • meine VISAplus Karte und
  • einen schoenen Stift zum Briefeschreiben hat er mir geklaut.

Retter
Zum Glueck gibt es nette Leute und Leute, die noch netter sind. Anton, der in einem Laden unten im Hotel Autoteile verkauft, hat mir 12.000 TZS Nothilfe gegeben, mir Essen spendiert und borgt mir bis jetzt sein Handy, bis ich mir ein neues gekauft habe. Das Hotelmanagement liess mich ohne zu zahlen in meinem Zimmer wohnen. Julius hat mir trotz Malaria hoch 3 zuegig Geld geschickt und besorgte hilfsbereite Anrufe aus der Heimat helfen auch ein gutes Stueck weiter.

Wer nicht wirklich rettet, ist die Polizei, die an meinem Fall nur in meiner Anwesenheit zu arbeiten scheint. Und selbst dann … Detective: “Koennen wir das nicht morgen machen, bin muede und hab seit gestern morgen gearbeitet.” Kein Problem, ausser, dass er dann morgen einfach gar nicht da war. Was soll man auch machen? Ich habe einen Namen, das er angeblich Fisch verkauft, angeblich auf dem Ukerewe Island wohnt, 47 Jahre alt ist und fuenf Kinder hat. Angeblich!

2 Kommentare auf “Urlaubsabriss”

  1. Steve Grundig kommentiert.

    Großer Mist. Ich hab so halb live mitbekommen über deinen Bruder, dass du auf einmal ohne Kontakt zur Außenwelt (soll heißen Handy) dastandest und bin überhaupt froh, wieder von dir zu Hören. Aber das ist auch ein Schwein. Tagelang auf Gutfreund machen und dann so eine linke Nummer. Nagut, immerhin konnten dir andere wirklich ehrliche Menschen helfen. Glück im Unglück. Lass dir die allgemeine Laune nicht verderben!

  2. Lala Salama. » Blog Archive » Ungeplantes kommentiert.

    [...] Handy, MP3 Player und Ersatzbatterien brachte. Die Geschehnisse im einzelnen habe ich bereits im kleinen Urlaubsabriss [...]

Selber einen Kommentar abgeben

Du must eingeloggt sein, um kommentieren zu können.

WP Theme & Icons von N.Design Studio
Einträge RSS Kommentare RSS Anmelden