Afrika ist ja nicht als der Kontinent bekannt, auf welchem allzu viel geplant wird. Vieles, was in der letzten Zeit passiert ist, hatte ich auch nicht so geplant. Eigentlich dachte ich mir, mich in Mwanza während meines Urlaubs gut zu entspannen und erholt in meine letzten 1,5 aktiven Arbeitsmonate für FDB zu starten. Noch dies und das zu Ende bringen und die Zeit so sinnvoll wie möglich nutzen.
Es kam anders. Ganz anders. Dabei hätte ich die „Planerfüllung“ ehrlich bevorzugt. Denn wie es alternativ gelaufen ist, war wenig erfrischend und letztlich bin ich in der Tiefphase meines Jahres in Tanzania gelandet.
Von Anfang an:
Alles began mit dem Beginn meiner Ferien, wo mich am vierten Tag das erste Unglück in Form eines Überfalls meines Mitreisenden Mohammed’s um Kamera, Urlaubskasse, Handy, MP3 Player und Ersatzbatterien brachte. Die Geschehnisse im einzelnen habe ich bereits im kleinen Urlaubsabriss geschildert.
Es war eine krasse Erfahrung und insbesondere wegen der verlorenen Hälfte aller meiner Tanzania-Bilder eine verdammt ärgerliche. Die viele Hilfe, die ich bekam half aber dem mentalen Wohlbefinden wieder auf die Beine. Mit Anton und Manish habe ich wahnsinnig nette Menschen kennen gelernt, was mich mit Mwanza wieder versöhnte. Ich habe ordentlich Kiswaheli gelernt und das Gefühl von Erholung hat sich doch breit gemacht.
Bis zu dem Freitag vor meiner Abreise. Ich hatte am Donnerstag Sarah überraschend auf der Strasse vor meinem Hotel getroffen und wir haben uns auf eine gemeinsame Wanderung verabredet. Was passiert ist hat Sarah auf ihrem Blog geschrieben und ihr koennt es hier (relativ am Anfang der Seite) nachlesen.
Es war der zweite Überfall innerhalb von einer Woche. Materiell war es nicht zu dramatisch: etwa 7.000 TSZ (knapp 4 EUR) und das Telefon wurde mir abgenommen. In weiser Voraussicht, hatte ich mir am Tag vorher wieder nur ein billiges Handy gekauft. Aber 22.000 TZS sind halt doch irgendwie auch rund 12 EUR. Egal, Sarah hat es weitaus schlimmer getroffen.
Für die letzten zwei Tage vor meiner Abreise hatte ich beschlossen, mein Quartier zu Manish zu verlegen. Geld hatte ich ja trotz der Überweisung von Julius nicht zu reichlich und zwei Nächte privat übernachten bedeuten auch 20.000 TZS gespart. So zog ich noch am Abend des Überfalls aus meinem Hotel aus und zu Manish in seine Wohnung auf dem Gelände der Firma, für die er in Mwanza das Lager verwaltet. Dort fühlte ich mich bestens aufgehoben; mit hoher Mauer, Kontaktdraht und zwei bewaffneten Securityguards.
Dennoch hatten (und haben) beide Ereignisse deutlich ihre Spuren hinterlassen. Dies wurde mir während der Eisenbahnfahrt nach Hause deutlich. Mit meine Mitreisenden habe ich erst am letzten Tag mich etwas mehr unterhalten und das, obwohl wir zwei Nächte zusammen gereist sind. Aber meine Lust auf Leute war einigermaßen erschöpft und ich außerdem ziemlich misstrauisch sämtlichen Fremden gegenüber, was nach dem Erlebnis Mohammed nachvollziehbar ist.
Dennoch war Eisenbahnfahren ein tolles Erlebnis und ich werde mir Zeit nehmen, darüber nochmal einen extra Artikel zu verfassen.
Am Tag nach meiner Rückkehr nach Mwanza waren wir zu Don, Chef von Resolute Tanzania Ltd., zu einem Dinner ins Hotel Sea Cliff eingeladen. Es war ein ziemlich „weißes“ Dinner, wo die Europäer eindeutig in der Überzahl waren. Ich saß neben einer Pastorin aus Scottland, die seit sieben Jahren in Tanzania lebt und eine NGO zu HIV/Aids gegründet hat.
Die Geschichten die sie erzählt hat, waren genau nicht das, was ich eine halbe Woche nach Mwanza gebraucht habe. Es ging darum, wie die lokalen Kirchenmenschen ihre NGO an sich reißen wollten. Ganz augenscheinlich, um an ihr Geld zu kommen. Die Pastorin wollte das verständlicherweise nicht und hat sich dagegen aufgelehnt, was letztlich ihr Leben in Gefahr gebracht hat. Sie konnte in ihrem eigenen Projekt nichts mehr essen, weil schon andere Menschen mit Gift im Essen zur Zustimmung bewegt wurden. Letztlich musste sie in einer Nacht-und-Nebel-Aktion unter Polizeischutz die Stadt verlassen und bis heute rät ihr der Regional Commissioner davon ab, zurückzukommen. Dazu kamen weitere Schilderungen von Korruption, unzuverlässiger bis verbrecherischer Polizei und Probleme, in die einen zu freies Reden bringen können.
An sich war es ein toller Abend, allein schon wegen der guten Küche. Aber für meinen Kopf war das alles ziemlich viel und ich hatte das Gefühl mit dem Verarbeiten kein Stück mithalten zu können.
Kleiner Diebstahl am Rande waren 8.000 TZS aus meiner Hosentasche, als ich eine Woche später am Strand war. Am gleichen Tag vereitelte ich einen Versuch, das Handy aus meinem Rucksack zu angeln.
Das schlimmste, was dies und vor allem die Tage in Mwanza verursacht haben ist das Misstrauen. Meine Begeisterung für Tanzania hatte einen gewaltigen Dämpfer erhalten, denn es ist nicht angenehm, sich ständig „bedroht“ zu fühlen. Ich schlafe bis jetzt nicht sonderlich gut, bin dadurch recht müde und bringe so nicht wirklich viel zustande. Mittlerweile habe ich aber das Gefühl, dass es langsam wieder besser wird. Letztlich ist es auch eine Erfahrung, die die Realität widerspiegelt, dass es Verbrechen gibt und die Polizei nicht viel macht bzw. machen will.
Mir fällt an dieser Stelle keine Überleitung ein, weil meine anderen Erlebnisse gegenüber dem Tod relativ unwichtig sind.
In der Nacht zum 7.7. ist Mwanaisha völlig überraschend gestorben.
Ich hatte über sie hier schon mal im Überschriftsfreiern bebilderten 1642 Wörter enthaltenden Bericht vom 9. April berichtet und davon, dass sie ein Problem mit dem Herzen hat. Als sie damals ins Krankenhaus kam, sah es nicht gut aus. Sie hatte zusätzlich noch irgendwelche Probleme mit Bakterien, eine Wunde im Magen, Thyphus und Malaria. Jedoch hat sie es geschafft und bekam nun, wegen des Herzens, jede Woche einmal eine Spritze, sowie Obst und extra nahrhaftes Essen. Am Anfang jeden Monats wurde außerdem ihr Zustand untersucht.
Alles sah recht gut aus und so auch bei der letzten Untersuchung drei Tage, bevor sie gestorben ist. Am Montag hatte sie eine neue Medizin gegen ihren Husten bekommen, nach Rücksprache mit dem Arzt und den Tag über ging es ihr sehr gut. In der Nacht zum Dienstag ist der Husten wohl zurückgekommen und sie ist gestorben.
Einen Tag später wurde sie in Morogoro, wo sie mit ihren Eltern gelebt hat, beerdigt. Julius und ich sind mit 30 anderen FDBs dort hingefahren. Ich fand es recht ungewohnt, da es eine islamische Trauerfeier war und sich doch schon sehr von einem „westlich-christlichen“ Begräbnis unterscheidet.
Das sogar ein Bus gemietet werden konnte, war Don’s Verdienst, so dass zumindest ein Teil der Kids mit dabei sein konnte. Er hat sofort versprochen, die Kosten zu übernehmen. Dazu kamen Spenden, vor allem Essen, aus der Nachbarschaft.
Das ist jetzt noch nicht mal eine Woche her. Ich hoffe nun ganz inständig, dass die verbleibenden vier Wochen bis Marie kommt ruhiger werden. Dann bekommt ihr vor dem 10. August noch einen weiteren Bericht zu lesen, bevor ich mich mal wieder im Urlaub machen probiere – nur dann nicht mehr allein
2 Kommentare auf “Ungeplantes”
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30. Juli 2009, 10:32
Ich hoffe das du wieder genug Vertrauen zu dem Land und den Leuten gewinnst um gemeinsam mit Marie einen schönen Urlaub zu verbringen.
Liebe Grüße aus der Heimat
Erik
10. Januar 2010, 17:02
[...] Eltern hatten irgendwann in der Zeit, als ich überfallen wurde, ein Päckchen nach Tanzania geschickt. Also Mitte Juni. Ulf verkündete mir nun, dass dieses [...]