Ein normaler Countdown bewegt sich zeitlich in gleichmäßigen Schritten abwärts. Oder er wird aus (un)erfindlichen Gründen abgebrochen. Meiner hat sich nun ein wenig beschleunigt.

Am 24.9. starte ich um 15:25 Uhr vom Flughafen Hamburg Richtung Dubai. Dort eingetroffen, werde ich eine Nacht auf dortigem Boden verbringen. Zehn Stunden Dubai at night steht an, bis dann am nächsten Vormittag die Maschine nach Dar Es Salam startet.
Mit dieser Info begrüßte mich Julius (zur Erinnerung: mein Mit-Freiwilliger) vorgestern beim Vorbereitungsseminar hier in Northeim. Auf jeden Fall bleiben mir nun noch 12 Tage bis zum Abflug.
Inhaltliches folgt später. Zuerst einmal kurz Northeim. Diese Stadt hat:
- freundliche Busfahrer, die auf die mir fehlenden 10 Cent vom Fahrpreis auch einfach mal verzichten und ein Auge zudrücken
- ein geniales Jugendgästehaus, ohne Hausordnung, mit freundlicher Leitung und dafür erstaunlich wenigen Beschädigung oder Problemen. Ein tolles Konzept. Einfach an den Verstand appelieren. Super!
- und eine phantastische Altstadt. Fast ausschließlich Fachwerk und wunderbar restauriert.
Wie es so ausschaut habe ich gestern fototechnisch festgehalten.
Gestern gab es dann die ausführliche Vorstellungsrunde. Die war so perfekt gemacht, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben nach weniger als 24 Stunden bereits alle Namen unseres Seminars auf dem Kasten habe.
Die Nachmittagseinheit war mit dem Thema “Motivation und Erwartungen” überschrieben. Sie gebärdete sich zu einem recht gravierenden Sinn-Verlust für die gesamte Gruppe, denn unsere Teamerinnen Nastaran und Janin(e) brachten uns zu der Frage: Ist es wirklich für die Afrikaner gut, dass wir diesen Freiwilligendienst machen? Und es ist bedenkenswert, warum sich diese Frage in dieser Form stellt.
Das Projekt weltwärts des Bundesentwicklungsministeriums kostet für die drei Jahre, auf die es vorerst angelegt ist rund 70 Millionen Euro. Damit werden 30.000 Jugendliche gefördertert. Nun ist aber die Frage, wie viel mehr Afrikaner für das gleiche Geld in den gleichen Projekten engagiert werden könnten. Dazu kommt, was wir als nicht ernsthaft qualifizierte 19,20-Jährige schon erreichen oder gar helfen können. Ob unsere Hilfe in dieser Form nötig ist? Vernichten wir damit nicht vor Ort Arbeitsplätze?
Diese Nachmittagseinheit endete kurz vor dem Essen mit einiger Unzufriedenheit und der fehlenden Befriedigung einer Erkenntnis oder eines Fazits, weil dieses eben nicht dabei herausgekommen ist. Glücklicherweise fing Julian (vor zwei Wochen aus Kenia zurückgekehrter Rückkehrer) die krassesten Zweifel mit einer Diashow auf und so konnten wir dann doch mit wiedererstandener Lust auf Afrika zu Bett gehen beziehungsweise in die Nachtaktivitäten starten.
Dann bekamen wir Besuch. Weiterlesen »
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